Die wenigen Gedichte von Michael Schiffer die
nicht verloren gingen

1.
Mit dem Kreuze auf dem Rücken
keucht der Mensch duch des Lebens Kot,
Hinter ihm auf schnellen Krücken
humpelt nach der Tod.

2.
Wolken sorgen, der Sturm heult rüttelt und rast !
Mensch schleudre in den Sturm deine Last !
Mitten im Toben, mitten im Grimmen
tönet mächtig Gottes Stimme :
Mag es rasen im wildem Raum
Uns wie Fetzen Wolken schleifen,
die ewig möchten an der Erde kleben !
Aus meinem Herzen wächst ein Baum,
seine Wurzeln tragen ewiges Leben !
und wenn die Früchte am Baume reifen,
kommt mein Sturm und schüttelt sie los,
und schüttelt sie selig in meinen Schoß !

3.
Ach bleicher Stern
du fielst in meinem Traum
Ein silberner Tropfen
aus blauem Märchenraum.

Nun rührst in meinen Tiefen
Mit leuchtendem Schein
Und breitest blaue Helle
In mein gemartertes Sein.

Nun martere mich nach Höhen
Das lichtdurstige Herze
In deinem Inneren trägst ja
Die gematrterte Kerze.
Ach bleicher Stern
Aus blauen Märchenland
???
der zitternden Hand.

4.
Der Fremde !
Er wandelt still und grübelt viel-
Der Menschen Treiben zu erfassen,
Verwundert blickt er : Ist es ein Träumespiel,
Die sie da hasten durch Markt und Gassen ?
Gar seltsam fremd ist seinem Blicke
Der Menschen Freud und ihre Qual,
Er sieht uns mit höchstem Glücke
Tiefe Wunder überall,
Sein Auge trinkt mit gleicher Lust
So höchste Freude als tiefste Not,
Daß du verwundert fragen mußt,
ist seine Heimat im Abendrot ?

5.
In Gottes barmherzigen Händen ruht das Weltall
drum laß o Mensch von deinem Harme
Wohin dich auch schleudert, Geschick od Zufall
Du fällst immer in Gottes Arme.

Etwa ein Jahr vor seinem Ableben, als er schon von leichter Dementia litt, schrieb unser Vater :

Millstätter See :
Millstätter See, du goldener See,
Vor meinen Blicken schreibst du ein liebliches Märchen,
gehüllt und gebettet in Glück und in Blauä
Millstätter See, du lieblicher See,
dein Rücken schrauenhaft (??) gebogen
töhnt mir wundersam wie eine schimmernde Harfe,
Und weltfremde blaue Einsamkeiten
offenbart mir lächelnd dein prophetischer Mund . . .

Auch schrieb er kurz über sich selbst: Ich stamme von einer Gerber Familie.
Ich bin geboren in Brzesko in der Nähe von Tarnov.
Ich hatte vier Schwestern, Judith, Channa (Anna) , Miriam (Marie), Zertel.
Eine (wahrscheinlich Zertel) ist gestorben nach dem Tod meines Vaters.
Als Ich 20 Jahre war träumte Ich daß Ich in der Wiege meiner Mutter saß - bald kommt Elijahu und wird mich gesund machen.
Kam ein verunzelter Jude. Zur Tür begleitet. Rabi - wann kommst du wieder. Er zeigte nach oben : Ich bin die goldene Frucht die Gott in den Schoß der Menschen wirft.

Mag er in Frieden ruhen.